Island ist kein klassisches Familienziel wie Mallorca oder die Toskana. Die Insel im Nordatlantik fordert Eltern einiges ab: wechselhaftes Wetter, weite Distanzen zwischen Sehenswürdigkeiten und Preise, die schnell den Rahmen sprengen. Wer das weiß und sich vorbereitet, hat gute Chancen auf eine Reise, über die Kinder noch Jahre später reden.
Wann ist die beste Reisezeit für Familien?
Für Familien mit Kindern im Schulalter bleibt der Sommer die naheliegendste Option. Von Mitte Juni bis Ende August sind die Temperaturen mild, im Schnitt zwischen 10 und 15 Grad Celsius, Regen ist möglich, aber Schneestürme selten. Wichtiger noch: Kinder können bis Mitternacht draußen sein, weil die Mitternachtssonne kaum Dunkelheit bringt. Das klingt romantisch, stört aber den Schlafrhythmus junger Kinder erheblich. Gute Verdunkelungsvorhänge oder ein Schlafaugenmask sind keine Kleinigkeit, sondern echter Bedarf.
Wer Nordlichter sehen will, muss in den Oktober oder November reisen. Das ist mit Kindern unter sechs Jahren anspruchsvoll, aber nicht unmöglich. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt Polarlichter zu sehen, liegt auch in klaren Nächten bei etwa 50 Prozent in Sichtweite der Hauptstadt Reykjavik. Weiter im Norden und Osten steigen die Chancen deutlich.
Kosten realistisch einplanen
Island gehört zu den teuersten Reisezielen Europas. Ein einfaches Mittagessen für eine vierköpfige Familie in einem Restaurant kostet leicht 80 bis 100 Euro. Wer das nicht einkalkuliert, gerät schnell unter Druck. Der praktischste Gegenpol: Unterkünfte mit Küchenzeile buchen und selbst kochen. In Island gibt es gut sortierte Supermärkte wie Krónan oder Bónus, die Lebensmittel zu vertretbaren Preisen anbieten. Pasta, Eier, Milchprodukte und isländischer Skyr sind dort günstig.
- Mietwagen: Ein Allrad-SUV für zwei Wochen kostet im Sommer 2026 voraussichtlich zwischen 1.200 und 1.800 Euro, je nach Buchungszeitpunkt und Anbietern.
- Benzin: Derzeit rund 2,30 Euro pro Liter, auf dem Land teurer.
- Eintrittspreise: Geothermalbad Bláa Lónið (Blaue Lagune) liegt bei 80 bis 100 Euro pro Erwachsenem, Kinder unter zwei Jahren oft kostenlos.
- Campingplätze: Zwischen 15 und 30 Euro pro Nacht für die Familie, günstigste Option auf langen Touren.
Frühzeitig buchen lohnt sich fast immer. Wer im Januar 2026 für den Sommer bucht, zahlt für Unterkünfte und Mietwagen spürbar weniger als drei Monate vor Reiseantritt.
Welche Route ist mit Kindern sinnvoll?
Der berühmte Ring Road, die Ringstraße Route 1, umrundet die gesamte Insel auf etwa 1.300 Kilometern. Mit Kindern in zwei Wochen komplett abzufahren ist möglich, aber kaum empfehlenswert. Lange Fahrtage von sechs bis acht Stunden machen aus einer Urlaubsreise einen Erschöpfungsmarsch. Sinnvoller ist eine Auswahl: der Süden mit Seljalandsfoss, Skógafoss und dem Vatnajökull-Gletscher bietet die höchste Konzentration an Attraktionen pro Kilometer.
Alternativ lohnt der Snæfellsnes-Halbinsel-Ausflug ab Reykjavik. Die Strecke ist überschaubar, bietet Gletscher, Lavagestein, Küstendörfer und Wale vor der Küste. Für eine Woche mit Kleinkindern ist das eine solide Basis.
Sicherheit auf der Insel ernst nehmen
Island wirkt zahm, ist es aber nicht. Jedes Jahr verunglücken Touristen, weil sie Gefahren unterschätzen. Kinder brauchen klare Regeln, bevor sie in der Nähe von Wasserfällen oder an Küstenabschnitten laufen. Die sogenannten Sneaker Waves, plötzlich auftretende große Wellen an der Südküste, haben Touristen überrascht und ins Meer gerissen. Am Strand Reynisfjara gilt das als bekanntes Risiko.
Für Familien gilt: Abgesperrte Bereiche respektieren, auf befestigten Wegen bleiben und Kinder in der Nähe halten. Das klingt selbstverständlich, wird aber von Eltern unter dem Einfluss beeindruckender Landschaften manchmal vergessen.
Wer sich für die Insel interessiert, sollte wissen, dass Island in der nordischen Kultur eine starke Verbindung zu Mythen und Naturgeistern hat, die Kinder oft fasziniert. Museen in Reykjavik und kleine Naturlehrpfade greifen das auf und machen Geschichte für junge Reisende greifbar.
Was Kinder auf Island wirklich begeistert
Erwachsene reisen nach Island wegen der Landschaft. Kinder brauchen mehr als Aussichten. Die gute Nachricht: Island hat einige Attraktionen, die bei Kindern tatsächlich ankommen.
- Walbeobachtung: Ab Húsavík oder Reykjavik gibt es Touren, bei denen Buckelwale und Schweinswale häufig gesichtet werden. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind hier oft am begeisterten.
- Geysir Strokkur: Der Geysir im Bereich Geysir spuckt alle fünf bis zehn Minuten kochendes Wasser bis zu 30 Meter in die Luft. Kinder können das stundenlang beobachten.
- Lavahöhlen: Die Raufarhólshellir-Höhle in der Nähe von Reykjavik bietet geführte Touren, auch für Kinder ab fünf Jahren geeignet.
- Islandpferde: Die kleinen, robusten Pferde sind zahm und für Reitanfänger geeignet. Viele Farmen bieten kurze Ausritte an, auch für Kinder unter zehn Jahren.
Verpflegung unterwegs
Isländische Tankstellen sind mehr als Zapfsäulen. An den N1- und Orkan-Stationen gibt es warme Speisen, Sandwiches und Kaffee zu annehmbaren Preisen. Das ist auf langen Fahrten durch dünn besiedelte Gebiete oft die einzige Option. Kinder mögen die Pylsur, isländische Hotdogs mit Röstzwiebeln und Remoulade, erfahrungsgemäß sehr.
Krankenversicherung und Notfallplanung
Island gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum. Die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt, deckt aber nicht alle Kosten und keine Rückholung. Eine zusätzliche Reisekrankenversicherung für die gesamte Familie kostet für zwei Wochen selten mehr als 50 bis 80 Euro und ist bei Kindern keine optionale Überlegung.
Die Notrufnummer in Island ist 112. Die isländische Such- und Rettungsorganisation (ICE-SAR) ist auch per App erreichbar. Wer in abgelegenes Gelände fährt, sollte Route und Rückkehrzeit hinterlegen, zum Beispiel über die kostenlose Webseite des isländischen Meteorologischen Amtes, die auch Straßenzustände ausweist.
Island 2026 mit Kindern erfordert mehr Planung als ein Strandurlaub, gibt aber mehr zurück. Familien, die sich auf das Besondere einlassen und die Eigenheiten der Insel respektieren, werden feststellen, dass kein Freizeitpark der Welt Geysirabspritzungen, Gletschereis und Polarlichter ersetzen kann.

