Wer 2026 eine Reise plant, bei der Nachhaltigkeit kein Marketingversprechen, sondern gelebte Praxis ist, landet früher oder später bei El Hierro. Die kleinste der sieben bewohnten Kanarischen Inseln hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf erarbeitet, der weit über die Grenzen Spaniens hinausreicht: Als erste Insel weltweit strebte sie danach, sich vollständig mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Das gelingt nicht jeden Tag und nicht reibungslos, aber der Anspruch ist real und messbar. Rund 3.200 Einwohner leben hier, die Tourismuszahlen bleiben bewusst begrenzt, und genau das ist der Kern des Modells.
Warum El Hierro kein Massentourismus-Ziel ist und das auch bleiben soll
El Hierro empfängt jährlich zwischen 60.000 und 80.000 Touristen. Zum Vergleich: Teneriffa kommt auf über sechs Millionen. Diese Diskrepanz ist kein Versehen, sondern das Ergebnis einer bewussten Inselstrategie. Es gibt keinen internationalen Flughafen mit Direktverbindungen aus allen europäischen Metropolen, keine All-inclusive-Resorts und keine Strandpromenade mit Souvenirläden. Das schreckt viele ab, ist für Naturliebhaber aber der eigentliche Vorteil.
Die Insel gehört seit 2000 zum UNESCO-Biosphärenreservat. Das hat konkrete Folgen: Etwa 60 Prozent der Fläche stehen unter Schutz. Wanderwege führen durch den Monteverde-Nebelwald im Norden, vorbei an Wacholderbäumen, die mehrere Jahrhunderte alt sind. Im Süden öffnet sich das Bild zu schwarzen Lavastränden und Felsküsten. Die Landschaft ist abwechslungsreich auf engem Raum. El Hierro hat eine Fläche von knapp 270 Quadratkilometern, die höchste Erhebung liegt bei 1.501 Metern.
Das Energieprojekt Gorona del Viento: Was dahintersteckt
Das Hybridkraftwerk Gorona del Viento ist das bekannteste Aushängeschild der Insel. Es kombiniert Windkraft mit einem Pumpspeicherwerk: Überschüssige Windenergie pumpt Wasser in ein Reservoir auf 700 Metern Höhe, bei Bedarf fließt das Wasser durch Turbinen wieder nach unten. An windreichen Tagen versorgt die Anlage die Insel zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom, im Jahresdurchschnitt lag der Anteil zuletzt bei rund 50 bis 60 Prozent. Der Rest kommt noch aus einem Dieselgenerator, der als Backup dient.
Das klingt weniger spektakulär als die ursprüngliche Zielsetzung von 100 Prozent rund um die Uhr, ist aber für eine abgelegene Insel ohne Netzanbindung an das europäische Stromnetz eine erhebliche Leistung. Reisende, die das Kraftwerk besichtigen wollen, können das im Rahmen einer geführten Tour tun. Die Anlage liegt nahe El Golfo, der fruchtbaren Caldera-Senke im Nordwesten.
Anreise und Logistik: Was Reisende konkret planen müssen
El Hierro ist nicht mal eben zu erreichen, und das sollte man einkalkulieren. Direktflüge aus Deutschland gibt es nicht. Der übliche Weg führt über Teneriffa oder Gran Canaria, von dort aus weiter mit Binter Canarias oder der Fähre. Wer sich vorab über alle Optionen informieren möchte, findet bei der El Hierro Anreise eine strukturierte Übersicht über Verbindungen, Reisezeiten und praktische Hinweise. Die Fährfahrt von Los Cristianos auf Teneriffa dauert je nach Schiff zwischen zwei und drei Stunden. Die Flugverbindung von Teneriffa Norte liegt bei etwa 40 Minuten.
Auf der Insel selbst ist ein Mietwagen praktisch unumgänglich. Der öffentliche Busverkehr ist dünn, die Sehenswürdigkeiten und Wanderausgangspunkte liegen verstreut. Elektrische Mietwagen sind in kleiner Zahl verfügbar, die Ladeinfrastruktur auf der Insel wird ausgebaut. Wer im April oder Oktober reist, hat die besten Voraussetzungen: milde Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad, weniger Mitreisende und stabiles Wetter.
Aktivitäten für Naturreisende: Konkrete Empfehlungen
Das Wandernetz der Insel umfasst rund 600 Kilometer markierte Wege. Besonders bekannt ist der Camino de Jinama, der von El Golfo steil hinauf auf das Hochplateau führt. Der Weg ist anspruchsvoll, der Ausblick auf die Caldera rechtfertigt die Mühe. Im Gegensatz zu vielen anderen Kanarenwegen ist er wenig überlaufen.
Tauchen und Schnorcheln gehören zu den stärksten Angeboten der Insel. Das Meeresschutzgebiet La Restinga im Süden gilt als eines der besten Tauchreviere im Atlantik. Die Sichtweite liegt an guten Tagen bei 40 bis 50 Metern, die Wassertemperatur zwischen 20 und 24 Grad. Taucher berichten von Rochen, Engelhaien und großen Schwärmen aus Großaugenmakrelen. Für Anfänger bieten die Tauchschulen in La Restinga Einsteigerkurse auf Deutsch an.
- Wandern: Camino de Jinama, Ruta de los Eresos, Sendero de Guinea
- Tauchen: Meeresschutzgebiet La Restinga, Tauchbasis mit deutschsprachigen Guides
- Sternbeobachtung: El Hierro gehört zu den lichtärmsten Orten Europas, zertifizierter Starlight-Tourismusort seit 2014
- Gastronomie: Lokaler Ziegenkäse, Queso Herreño, und der Wein aus der Anbauregion Denominación de Origen El Hierro
Was 2026 anders ist als noch vor fünf Jahren
El Hierro hat in den letzten Jahren seine touristische Infrastruktur vorsichtig ausgebaut, ohne den Charakter zu verändern. Neue Unterkünfte entstehen fast ausschließlich als Ferienhäuser oder kleine Boutique-Hotels. Die Inselverwaltung hat angekündigt, die Bettenkapazität nicht über einen definierten Schwellenwert hinaus wachsen zu lassen. Genaue Zahlen dazu wurden noch nicht veröffentlicht, die Richtung ist aber klar.
Gleichzeitig steigt das internationale Interesse. Reisemedien aus den Niederlanden, Skandinavien und Deutschland haben El Hierro in den letzten zwei Jahren verstärkt zum Thema gemacht. Das führt dazu, dass Unterkünfte in der Hauptsaison früher ausgebucht sind als noch 2021 oder 2022. Wer 2026 reisen will, sollte Übernachtungen spätestens drei bis vier Monate im Voraus buchen, besonders für den März und Oktober.
Fazit: Für wen El Hierro das Richtige ist
El Hierro ist kein Ziel für alle. Wer breite Sandstrände, Nachtleben oder unkomplizierte Direktflüge erwartet, wird enttäuscht. Wer aber eine Insel sucht, auf der Nachhaltigkeit messbar stattfindet, die Natur noch unberührt wirkt und Stille tatsächlich Stille bedeutet, findet 2026 in El Hierro eine der überzeugendsten Optionen in Europa. Die Anreise kostet Zeit und etwas Planungsaufwand. Dafür bietet die Insel etwas, das immer seltener wird: das Gefühl, nicht schon tausend Mal dagewesen zu sein.

